Im BMW 630i: Das Auge fährt mit

Julian wollte auch mal ans Steuer des 6er BMW.

Adrian fühlt sich an Michelangelos David erinnert und möchte am liebsten nach Florenz, Julian findet das i-Drive-System leichter zu handhaben als eine Fernbedienung, und Sebastian würde gerne stundenlang Landstraßen-Kurven zirkeln. Unsere Testberichte zum 6er BMW:

Mein lieber David

Adrians Test: Der 6er sieht aus wie Michelangelos David quergelegt. Graziös, elegant, sportlich – perfekt und unbezahlbar. Das ist das, Entschuldigung für meine Sprache, Geilste an diesem Auto. Es fällt einfach auf der Straße auf, und auch hier gilt die Regel: Das Auge fährt mit.

Bestes Breispiel: Als ich an die erste Zapfsäule muss, der Verbrauch ist mit zwölf Litern Super ja nicht so gering, kommt ein junger Typ zu mir, den Mund offen vor Staunen, und fragt: „Das ist ja mal eine Karre, darf ich sie fotografieren?“ Er gehört zu diesen ehrlichen Menschen, die es sagen, wenn ihnen was gefällt, natürlich darf er fotografieren. Das gibt einen netten Desktophintergrund. Er läuft drum herum, mit seinem Handyfoto, wie ein Besucher in den Uffizien, dann drückt er mir das Handy in die Hand und will, dass ich das Auto zusammen mit ihm ablichte. Als wäre es eine nette Blondine auf der Strandpromenade.

Und ganz zum Schluss fragt er noch: „Muss man da studiert haben, um dieses Auto zu fahren?“ Er schaut dabei auf den Joystick auf der Mittelkonsole, das so genannte i-Drive-System. Ich schaue ihn an, lache und sage: „Nein, aber man muss studiert haben, um sich diesen BMW leisten zu können.“ Hähä. Ich mag das, wenn die Leute denken, ich sei der Besitzer. Das ist ein bisschen angeberisch, vielleicht, aber es macht wirklich Spaß.

Das Gefährt beschleunigt in 6,5 Sekunden von auf 100, meine Frisur ist eigentlich keine mehr. Diese Kurvenlage, herrlich. Nur die vielen Sonntagsfahrer sind mir im Weg, sie scheinen mich absichtlich auszubremsen, um die bissige Front zu mustern. Aber ich überhole sie nicht, warum auch? Mit dem 6er macht man so was nicht.

Ich will der Menschheit den Blick auf dieses grandiose Design nicht verweigern. Ich verzichte sogar auf Ampelspielchen oder auf das Ausreizen der Drehzahl. Warum zeigen, was der 6er kann? Es sieht jeder!

Das Kofferraumvolumen erst, mit diesem Auto will ich Urlaub machen. Ja, von mir aus auch Skiurlaub, im Cabrio, und ich reise im Hawaiihemd an, ist gar kein Problem. Es ist alles möglich. Dann fahre ich die kleine Heckscheibe hoch, ziemlich praktisch, und verlasse mich auf die Klimaautomatik. Die ist ziemlich kompliziert, ich weiß nur: Wenn man die Knöpfe richtig drückt, ist es windstill und schön wohlig warm im Auto, selbst bei böser Kälte um einen herum. Vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein und träume mich nach Florenz.

Irgendwie göttlich

Julians Test: Komisch, dass ich gerade jetzt an meinen Lateinunterricht denken muss. Da hatten wir es von Kriegsgöttern. Ich finde, die BMW-Ingenieure sind Söhne des Mars – und der 6er ihr Werk. Cäsar würde mir bestimmt zustimmen, mein Lateinlehrer auch. Nur würden es wohl beide nie verstehen, warum eine derart monströse Waffe wie das 6er Cabrio eine elektrische Abriegelung bei einer Geschwindigkeit von 250 Kilometern hat. Elektrische Abriegelung, wie sich das schon anhört, das ärgert mich. Der arme Sechs-Zylinder-Motor. Das ist ja so, als ob mein Lateinlehrer mir eine Fünf gibt, obwohl ich alles wusste. Na ja, fast alles.

3 Liter Hubraum hat der BMW 630i. Und aus diesen schöpft er Kraft, als gäbe es keine Schwerkraft. Es kann eigentlich auch keine geben. Wie sonst schafft er es, 1585 Kilo Gewicht wie ein Katapult nach vorne zu werfen? Das ist unmöglich. Oder ist es göttlich?

Die Sechs-Gang-Automatik hat scheinbar weniger Zuwendung von oben bekommen. Bei jedem Hochschalten, ob mit vollem Gaseinsatz oder bei normaler Fahrt, fällt man in ein Loch. Der 6er beschleunigt, setzt zum Hochschalten an, das Gas ist weg, er ist im nächsten Gang und gibt wieder voll Power. Da fällt der Kopf in die Lehne zurück. Ich komme mir vor wie eine Henne, die bei jedem Schritt mit ihrem Kopf nach vorne und dann nach hinten wackelt.

Aber was soll’s? Da sehe ich drüber hinweg. Die ersten Kilometer mit dem BMW sind für mich überwältigend. Er hängt einfach super am Gas. Man merkt gar nicht, dass er der kleinste Benzinmotor der 6er Baureihe ist. Eigentlich hatte ich vor, mich mal um das i-Drive Bedienungssystem zu kümmern, das so umstritten ist. Nach einer halber Stunde Fahrt kann ich es mir endlich anschauen. Und ich sage: Wer mit einer Fernsehbedienung zurechtkommt, hat auch dieses System gleich begriffen.

Wer nicht, hat Pech gehabt. Aber auch Leute, die mit diesem i-Drive nicht hundertprozentig zurechtkommen, können diesen 6er fahren, wie man an meinem Bruder Sebastian sieht, dieser Schlafhaube – hat er das denn verdient? Immerhin liegt der Basispreis des BMW 630i bei 69800 Euro. Ein Batzen. Und für einen Zivi wie Sebastian natürlich unerreichbar, BMW wollte mit dem 6er ja auch kein ein Auto für den Kleinverdiener bauen. Diese netten Extras, die in keinem Standardauto zu finden sind, sie sind wunderbar. Im 6er ist das ganz konkret die spezielle Klimaautomatik. Es bleibt immer schön warm. Cabriomodus heißt das bei denen. Es ist so ausgeklügelt, dass es den Anschein hat, es läge eine unsichtbare Haut zwischen dem BMW und der Außenwelt. Pure Perfektion. Wenn ich ein Star wäre, würde ich schreien: Bitte, holt mich hier nie raus.

Nette Tankstellenpausen

Sebastians Test: Der 6er ist kein klassischer BMW Sportwagen. Er ist groß, 4,80 Meter lang, wirkt nicht so tief wie man das von einem Sportcabrio gewöhnt ist. Und dann hat er auch noch diesen komischen, eckigen Kofferraumdeckel, der bei BMW ja gerade in Mode ist. Das gefällt mir nicht. Eigentlich erinnern mich nur noch die nierenförmigen Kühleinlässe vorne an einen BMW. Ja, überhaupt ist die Front weit besser gelungen als das Heck. Die Scheinwerfer mit den lang gezogenen Blinkern oben und den nach innen schmaler werdendem Glas starren zwar streng, aber nicht aggressiv drein.

Was mich einfach stört, ist die Wuchtigkeit: Ich bleibe fast am Gegenverkehr hängen, wenn mal ein Auto halb auf der Straße parkt. Gut, 1,80 Meter hört sich nicht nach Überbreite an. Das ist es auch nicht, nein. Es ist nur das Gefühl als ob. Seine lange Motorhaube macht es für mich unmöglich, die Maße abzuschätzen. Aber irgendeinen Nachteil musste diese klassisch lang gezogene Motorhaube ja haben. Den nehme ich gerne in Kauf. Für 6er BMW Fahrer dürfte eine Vollkaskoversicherung für alle Fälle ja ohnehin kein Problem sein.

Na ja, und was macht man wenn man durch Gegenverkehr in der Stadt verunsichert ist? Klar: nichts wie auf die Landstraße und das Gas durchtreten. Und dann sind schnell alle Sorgen verflogen. Mit 258 PS kann man mit dem bayrischen Mischling aus Klassischem und Modernem ordentlich heizen. Auf den Geraden immer wieder aufs Gas steigen und dann mit Schwung um die Kurven zirkeln. Das könnte ich Stunden machen.

Wären da nicht die unfreiwilligen, aber oft nötigen Stopps. An der Tankstelle muss man mit dem BMW oft vorfahren, wenn man so über die Landstraßen fährt wie ich. 12 Liter Super hat der 6er so bei unserem Test verbraucht. Wüsste ich nicht, wie ich gefahren bin, würde ich sagen, das ist zu viel. Ich bin ja schon zufrieden, dass ich überhaupt sagen kann wieviel wir verbraucht haben. Eine halbe Stunde stand ich an der Tankstelle und hab so getan, als würde ich die Scheiben wischen, bis ich verstanden hab: Man muss einfach nur auf den Tankdeckel drücken, ganz leicht nur, und schon geht er auf. Wer hätte das gedacht, bei einem so extravaganten, außergewöhnlichen Cabrio?

So schlimm sind die Tankstellenpausen gar nicht. So kann man sich mal den Innenraum des BMW anschauen. Und ich muss sagen: Respekt! Wenn die Vordermänner sich nicht ganz so breit machen ist auf den hinteren Plätzen auch genug Platz für längere Menschen. Für Kurzstrecken ist der BMW so auch locker für vier Personen geeignet.

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1 Kommentar Dein Senf

Pat:
Samstag, 4. Juli 2009, 08:47

Endlich, nächste Woche hab ich ihn…meinen schwarzen, vollausgestatteten 630i. Aber nicht als Cabrio, sondern als Coupe. Bin 4 Jahre lang Z4 gefahren! Irgendwann muss einfach mal wieder ein Dach auf den Kopf. So long ihr Testbrüder, weiter so..liest sich ganz lustig ;)



Dein Senf

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