Im CLK CDI: Für die Nacht im Freien

Der CLK im Profil

In Julians Ohren hört sich das Dieselcabrio von Mercedes an wie eine getunte Hummel, Adrian sieht sich schon zwischen Picknickkorb und CLK auf der Wiese liegen, Sebastian will weiterhin einen Bausparvertrag haben, um zu sparen. Unsere Testberichte zum CLK:

Cooler Crooser

Julians Test: Das soll wirklich Spaß machen? Macht einer Wespe denn das Leben ohne Stachel Spaß? So kann sie ja gar niemanden ärgern. Wie soll es dann also Spaß machen, ein Cabrio mit Diesel zu fahren? Das geht nicht, das sieht man doch schon daran, dass Leute, die einen Diesel kaufen, praktisch denken: Er ist laufruhig, und bei gewisser Laufleistung rechnet sich die Mehrinvestition beim Neukauf. Und Cabriokäufer? Das sind Leute, die es genießen, im Sommer durch Alleen zu rasen und den Wind in ihren Haaren zu spüren. Sie fahren niemals so viele Kilometer mit ihrem Cabrio, dass es sich finanziell lohnen würde, einen Diesel zu kaufen. Außerdem kauft man sich einen Diesel, wenn man am Sprit sparen will und deshalb etwas Sportlichkeit aufgibt – heißt es immer wieder.

Dieser erste Eindruck von mir verfliegt beim Austesten des V6-Zylinder-Motors mehr als schnell. Das ist ein Klischee, mehr nichts.

Der Motor ist weder niedrigtourend noch nagelt er. Mit dem klassischen Traktordiesel hat der CLK wenig – nein, überhaupt nichts – gemein. Und wie eine Wespe hört sich das Dieselcabrio dann doch auch nicht an. Ich muss sagen, eher wie eine getunte Hummel, mit einem richtig fetten Auspuffrohr und, das glaubt man gar nicht, einem ordentlichen Stachel: Dieser Mercedes geht ab!

Erst recht im Sportmodus. Dieser verführerische Knopf, ich drücke dauernd drauf. Schon bei 1600 Umdrehungen setzen die 510 Newtonmeter Drehmoment an und schleudern den Wagen in 7,2 Sekunden von 0 auf 100. Ja, das ist der Vorteil eines Diesels. Der braucht kaum Drehzahl, reagiert sofort auf das Durchtreten. Er haut einen ordentlich in den Sitz. Und genau so muss das sein!

Ich kann es nicht glauben. Noch mal: Das soll ein Diesel ein? Mein Gott, hatte ich ein altmodisches Bild im Kopf. Es ist ein Dieselcruiser. Das passt ganz gut, denn ich bin gerne ein Cruiser. Wir haben Power. Drei Liter Hubraum, genug um auf der Hauptstraße loszubrüllen. Zurückgelehntes Protzen, die Hand lässig über die Tür geworfen. Ja, das ist selbst für den Fahrer im CLK kein Problem. Dank der perfekten Sieben-Gang-Automatik. Sie schaltet sachte, aber schnell. Und immer im richtigen Moment. Besser als diese Automatik kann kein Mensch wissen, wann der Motor hochgeschaltet werden will. Hey Leute, wir sind die Coolsten wenn wir Croosen. Höchstgeschwindigkeit: 246 Kilometer pro Stunde.

Auch ohne Verdeck ist schnelles Fahren möglich, selbst das Fahren auf der Autobahn, aber auf den kurvigen Landstraßen ist der CLK eindeutig zu Hause. Es macht Spaß, ihn immer wieder hochzujagen. Das sieht man dann auch an der Tanke. Das macht allerdings weniger Spaß. 10 Liter auf 100 Kilometer, das ist für ein Diesel fast ein wenig zuviel.

Bequemlicher Sonntag

Adrians Test: Seriös sieht der CLK aus, obwohl diesmal ein Cabrio, etabliert, erfolgreich, schlicht und schick. So wie er eben sein soll. Wahrscheinlich liegt es auch am Preis, dass dieses Auto so viel gefahren wird. Über den kann man bei einem Mercedes echt nicht meckern. Das ist wirklich Wertarbeit.

Es hat schon dieses gewisse Etwas, schlicht-schick gefällt mir ja, besser als wahnsinnig auffällig und nichts dahinter. Der CLK hält, was er verspricht – und hat sogar einen Bonus: Er geht richtig gut ab für seine 224 PS, das hätte ich so gar nicht erwartet. Auf der Landstraße lässt sich das Cabrio immer wieder gerne anstupsen, beschleunigt auch gut, ja: sehr gut.

Das Außergewöhnliche ist ja, dass es ein Diesel ist. Wer hätte schon erwartet, dass Diesel und Cruisen so leicht zusammengehen? Sportlich um die Ecken, billig beim Tanken. Dieser Wagen hat keine Kanten. Wenn, dann geht es hier um Geschmack, mehr nicht. Diese Cabrio-Dieselidee aber könnten sich ruhig noch ein paar andere Hersteller abschauen, da sinkt die Hemmschwelle beim Käufer, Diesel lockt halt immer, da fällt das Leasen gleich leichter. Das kann ich verstehen, vor allem aus Familiensicht, mal angenommen, ich wäre schon soweit. Das wird man sich doch gönnen dürfen, Autozeit ist Lebenszeit, und die muss schön sein.

Für den bequemen Sonntagsausflug der Familie gibt es kaum einen besseren Wagen. So warm bei offenem Verdeck, selbst bei Wolkenhang, so viel Platz für Mitfahrer, so viel Platz für Gepäck. Eigentlich logisch, bei 4,65 Meter Länge und 1,74 Meter Breite. Und noch besser als auf der Straße sieht der CLK auf einer abgelegen Wiese aus, an einem Bach am Waldrand. Ein toller Picknickkorb! Gut, dass er in diesem Silberglanz zu groß ist für eine Elster. Jetzt noch ein paar nette Romantiksongs dazu, und meine Freundin wäre überglücklich.

Das ist Freiheit!

Sebastians Test: Das ist doch mal was anderes. Endlich ein Auto, wie es mir gefällt. Wie es da in der Einfahrt steht, ich bin im Streichelzoo! Schade nur, dass unser Haus noch nicht aussieht wie das Haus des Oberbürgermeisters – es würde alles nur zu gut zusammen passen.

Ich mag dieses Konservative, den silbernen Lack, die klassischen Formen. Mercedes eben. Und fährt man erst mal, ist es ein schnelles, sicheres Gleiten. Das Sicherheitspaket wirkt beruhigend, ich weiß gar nicht, was da alles drin steckt. Ich fühle mich jedenfalls nicht so, als bräuchte ich jemals einen Airbag. Immer schön ruhig, kein Ruckeln, selbst hinterm Steuer könnte ich dank der Sieben-Gang-Automatik ein Sieben-Gänge-Menü verdrücken. Der CLK fährt von selbst. Es kann so schön sein, ein Spießer zu sein.

Ich fühle mich ein wenig so, wie sich der Cowboy in der Marlboro-Werbung fühlen muss, nur dass mein Po dank der Sitzheizung nicht ganz so schmerzt, die Wärme steigt mir langsam die Wirbelsäule rauf. Allein in der Prärie in meinem Schlitten, wie schön. Das ist Freiheit!

Und diese Freiheit kann man immerhin schon für 48488 Euro kriegen. Wenn sich mein Vater weiterhin um meinen Bausparvertrag kümmert, kann auch ich mir das irgendwann leisten. Es passt auch endlich mal alles in diesen Wagen rein, zur Abwechslung. Der Kasten Bier, bei 390 Kubikzentimetern, locker! Und die Gitarre, die ich immer dabei habe, was soll’s – kommt sie eben auf die Rücksitze, Verdeck runter und fertig. In diesem Auto komme ich in Stimmung. Rein mit der Rock-CD, raus mit der guten Laune. Heute gebe ich ein Konzert!

Wirklich wahr, auch wenn es sich jetzt verherrlichend anhört: Das CLK Cabrio ist schön zeitlos, eigentlich ein Wohnzimmer auf vier Rädern. Im Grunde ideal, um mal wieder im Freien zu schlafen. Das Einzige, was mich jetzt noch stört, hängt gar nicht mit Mercedes zusammen. Es ist die Tatsache, dass ich ein armer Zivi bin.

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