
Adrian mag die Überraschungsmomente des Porsche Boxsters, Sebastian die hochwertige Verarbeitung von Leichtmetall und Kautschuk und Julian ist begeister vom Sportwagen-Feeling, von den richtig harten Dämpfern. Unsere Testberichte zum Porsche Boxster:
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Mit dem Boxster die Klamotten vorwärmen
Adrians Test: Pakete habe ich schon immer gemocht, wegen des Überraschungseffekts. So ist es auch mit dem so genannten Sport-Chrono-Paket im Boxster. Wenn man dieses kleine Knöpfchen in der Leiste unter dem Radio drückt, kann es losgehen: Er bewirkt, dass das Gaspedal schneller anspricht und noch dazu, dass sich das PSM (so heißt das ESP bei Porsche) später zuschaltet. Und ist das nicht wunderbar? Mal auf der Bundesstraße driftend-quietschend einen U-Turn gemacht? Wir natürlich auch nicht, würden wir nie tun, theoretisch wäre es aber möglich.
Der Porsche Boxster hat einen 6-Zylinder-Boxermotor mit 2,687 Kubikzentimeter Hubraum; logisch: auch der billigste und kleinste Porsche, den es zurzeit gibt, muss den haben. Beim Boxster ist das ein Mittelmotor, das heißt, die Autoinsassen lehnen quasi an ihm an. Und wer einen Pulli in den Kofferraum legt und sportlich den Schauinsland hoch fährt, der hat danach vorgewärmte Kleidung, das ist ganz praktisch. Ich finde, man merkt dem Boxster als Durchschnittsmensch auf den ersten Blick gar unbedingt nicht an, dass er der kleinste Porsche ist. Der Mythos steht auf der Straße trotzdem: Solche Sätze wie „Oar, fett“ – das rufen Kinder immer wieder gerne, wenn sie dieses Auto sehen, vor allem, wenn es gelb lackiert ist.
Das einzige Problem, dessen man sich aber schon beim Kauf des Boxsters bewusst ist: Er ist halt nun mal ein Zweisitzer. Das ist er eben auch wirklich in der Praxis, da passt kein Kind mehr rein. Und das ist ärgerlich, zum Beispiel, wenn man sich für ein Wochenendausflug entscheidet, bei dem man insgesamt zu dritt oder zu viert ist. Man muss gleich mit zwei Autos fahren, und wer will das schon? Also schließe ich daraus, dass Boxster-Pärchen sehr introvertierte Pärchen sein müssen, kann das sein? Obwohl das Auto ja immerhin 4,32 Meter lang ist, und das ist doch ein ganz schönes Stück, 1,81 Meter breit, und 1,29 Meter hoch. Aber der meiste Platz fällt dem wunderbaren Design zum Opfer, Ästhetik hat ihren Preis.
Vorne hat der Boxster 150 Liter Platz, das ist ganz gut für den Eindruck, den er von außen vermittelt. Mit diesem Versteck rechnet niemand, der keinen Porsche fährt. Ein Wocheneinkauf passt da auch gut rein, vor allem, wenn man noch die 130 Liter hinten ausnutzt, allerdings sind beide Fächer nichts für große Getränkekisten. Aber der Boxster ist ja der klassische Zweitwagen, insofern kann man ja zum Einkaufen auch das andere Auto nehmen, den Cayenne zum Beispiel. Dann hätte man auch den Vorteil, mit dem Cayenne Turbo S nur Kurzstrecken zu fahren und seinen Verbrauch auf diese Art einzudämmen, und mit dem Boxster könnte man das Leben genießen. So würde ich es machen, ja.
Der Tankverbrauch ist zwar auch beim Boxster nicht so gering, aber mit der richtigen Fahrweise kann ihn jeder dosieren, wenn er will. 64 Liter Superplus gehen rein, bei uns hat das für gute 500 Kilometer gereicht. Wir hatten wohl die Stoppuhr zu oft im Einsatz, die zum Sportpaket gehört, obwohl die ja allein vom Aussehen her überflüssig ist, das sieht zu verspielt aus, hat gleichzeitig aber einen nicht zu unterschätzenden Angeber-Effekt, was mir natürlich gefällt. Da muss jeder für sich wissen, was ihm lieber ist. Die schwarzen Bremssättel, die der Boxster hat, die sollten in jedem Fall dran bleiben, am Boxster in gelber Version, denn damit ist es wie in der Tierwelt: Wir sind die Gelb-Schwarzen, die dicken Hornissen. Wir signalisieren Gefahr, wenn wir kommen, haben die anderen sich zu drücken.
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Bassierende Subwoofer
Sebastians Test: 43.333 Euro Grundpreis? Gibt man dem Porschehändler noch 33 Cent Trinkgeld? Naja, das scheint mir tatsächlich erschwinglich zu sein. Auch wenn einiges dazukommen würde, wenn man die Vollausstattung wollen würde. Von Außen fällt mir zunächst nicht viel auf. Der Boxster entspricht dem Bild, das ich im Kopf habe, wenn ich an Porsche denke. Flach, schnittig, große Reifen. Er hat 235er 17 Zöller Leichtmetall Hinterreifen. Gegen Aufpreis bekommt man 19 Zöller Hinterreifen. Warmer, weicher Kautschukgummi sitzt auf in Hochöfen geschmolzenem, hochverarbeitetem Leichtmetall. Ich muss lachen, das wäre ein Satz für einen Porsche-Pressesprecher. „Eine hochwertige Verarbeitung der Rohstoffe Eisen und Kautschuk“, könnte es im Erdkundefilm heißen. Der Prozess der Veredlung – passt doch.
Die Kunstledersitze sind sportlich, aber recht bequem solange es nach vorne geht. Auf Autobahn und Bundesstraße fährt man in dem Porsche einen Kilometer nach dem anderen. Nur in der Großstadt kann es lästig werden. Man sitzt so tief und gestreckt, dass ich in den Momenten vor der Ampel immer das Gefühl habe, als läge ich in einer Hängematte. Und eine Fata Morgana lässt mich glauben, in dem Getränkehalter stünde ein Cocktail mit Orangenschnitten. Ich fühle mich richtig faul.
Das Gegenteil dieses Urlaubgefühls tritt in schnellen kurvigen Strecken ein. Der Boxster liegt hier wie ein Brett. Ein richtiges Rennfahrergefühl. In den Kurven neige ich meinen Kopf auf die entsprechende Seite, in geraden Abschnitten werde ich durch die Beschleunigung weit in den Sitz hineingedrückt. 1370 Kilogramm wiegt der Porsche. Die werden jetzt samt meinen 75 Kilo durch die Landschaft geflogen.
Ich komme mir vor wie in einem Hifi-Laden und teste die beste Anlage. Das BOSE Surround-System gibt es zwar nur gegen Aufpreis, aber wer sich diese Anlage gönnt, kann sich neben kernigem Boxster-Sound auch mal eine gute Rockband anhören. Elf Lautsprecher sind im Porsche eingebaut, ich fühl’ mich wie ein Fussballer im Stadion, der von allen Seiten angefeuert wird. Die Subwoofer bassieren mich. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich mir im Boxster meinen Musiktipp „Sultans Of Swing“ von den Dire Straits reingezogen habe. Jedenfalls haben die im Boxster einen neuen Sänger bekommen.
Die 240 PS sind genau richtig für einen Sportwagen seiner Klasse. In diesem Porsche kann man alles in vollen Zügen genießen. Seine Power, den Sound, aber auch den Komfort. Er hält einfach, was er verspricht. Ich habe es ausprobiert. Ich bin zwar nicht der Typ für große Angebereien oder Drehzahlausreizungen, aber diesmal hat mich einfach die Lust gepackt, richtig Gas zu geben. Es sind nicht die Blicke anderer, die mich dazu veranlassen – ich weiß einfach nur genau: Ich sitze in einem Porsche. Der Motorensound ist geil. Du bist schnell! Die Musik lauter, die Drehzahl höher – das T-Shirt immer feuchter. Bei 242 Kilometer pro Stunde habe ich den Höhepunkt erreicht, unglaublich. 256 fährt er Spitze, der Boxster ist nicht abgeriegelt. Aber das muss jetzt erst mal ausreichen, ich brauche eine Pause.
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Mehr Sicherheit durch Sportlichkeit
Julians Test: In 6,2 Sekunden spurtet der Boxster von 0 auf 100. Und das Beste daran: Er lässt einen diese Fahrleistung richtig spüren. Es kommt mir vor, als würde mich da ein Sprinter an die Hand nehmen und mit ziehen, was das Zeug hält. Deswegen machen diese 6,2 Sekunden auch so sehr Spaß. Viele andere Autos schleppen einen auf den ersten Metern nur hinter sich her, wie in einem Bollerwagen. Die sanfte Federung und das gedämpfte Motorgeräusch lässt gar kein Gefühl für die Geschwindigkeit zu. Ganz anders der Boxster: Er schont einen nicht.
Nach so einem Spurt steigt man erhobenen Hauptes und ein wenig ausgepowert aus dem Porsche. Irgendwie war man es auch selbst, der da mit quietschenden Reifen losfährt, dem die Leute hinterher schauen, ja, ich sehe mich heute als Personifizierung des Autos, wie wir es so schön im Deutschunterricht erklärt bekommen. Und genau das ist das Nette daran, ich hätte gar nichts dagegen, wenn der Boxster sich noch etwas mehr Zeit nehmen würde.
Beim Blick auf das maximale Drehmoment des Boxster wundere ich mich. Nur 270 Newtonmeter leistet er zwischen 4700 und 6000 Umdrehungen die Minute. An dem Schub kann die Begeisterung also eigentlich nicht liegen, aber woran dann? Klare Sache: an den Dämpfern. Das war bei unserem Boxster besonders spürbar, denn wir hatten das aufpreispflichtige PASM (Porsche Active Suspension Management). Mit diesem System an Bord ist der Porsche ab Werk schon 10 Millimeter tiefer gelegt als der normale Boxster. Und in der Mittelkonsole kann man einen Knopf für noch mehr Fahrspaß drücken. So wird ständig die Dämpferhärte reguliert. Und bei uns war natürlich die harte Nummer eingestellt. Reines Sportwagen-Feeling im Innenraum, wenn man über die Landstraßen der Region heizt.
Weiterer Vorteil des PASM-Pakets: die knackige Sechs-Gang-Schaltung mit ihren kurzen Schaltwegen. Es muss wunderbar sein, den Boxster in den Kurven schalten zu dürfen. Es wirkt wie eine sportliche Leistung, den Knüppel in die Gänge zu schieben, eine, die noch dazu Spaß macht. Porsche hätte auch eine Sieben-, eine Acht-Gang-Schaltung verbauen können, gar kein Problem, es wird einem nie zu viel. Das ist das, was den Boxster auszeichnet. Man möchte nicht von A nach B kommen, man möchte von A nach B in Schlangenlinien fahren mit möglichst viel Bergen dazwischen. Es gibt keinen Zeitdruck mehr, wenn man erst mal eingestiegen ist. Ist doch egal, wann man ankommt, wobei: möglichst spät wäre nicht schlecht. Und hinter einem LKW zu fahren macht auch nichts. Man wartet geduldig eine Überholmöglichkeit ab und ist so schnell am LKW vorbei, dass man doch eigentlich nur von mehr Sicherheit durch mehr Sportlichkeit reden kann. Das meine ich ernst.
Zwölf Liter Superplus haben wir bei unseren Fahrten im Durchschnitt verbraucht. Das hört sich nicht nach wenig an und ist auch mehr als der von Porsche angegebene Verbrauch von 9,6 Litern, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir die als Boxsterbesitzer irgendwann schaffen könnten (wir würden es sogar testen). Wenn man ab und zu kleine Gondelfahrten mit dem Boxster erledigt, mit ihm einkaufen geht oder gar jeden Tag die gleiche Strecke zur Arbeit fährt, schaltet man auch früher und fährt nicht jedes Mal wie wild geworden an.






