Chrissi ist eine Freundin von Julian und macht zurzeit auch ihren Führerschein. Sie sagt: Die Fahrschülerin hat während ihrer Ausbildung zum Fahrer drei zentrale Feinde. Das Auto, den Fahrlehrer, den Prüfer. In einer dreiteiligen Miniserie schildert sie ihre Beziehung zu diesen Feinden, abschließend gibt sie uns ein Interview zu dem Thema, welchen Vorurteilen Frauen schon im Fahrschulauto ausgesetzt sind.
Heutiger Feind: der Fahrlehrer
Ein wichtiger, aber gefürchteter Begleiter während eurer Fahrausbildung ist euer Fahrlehrer. Dieser belehrt und führt einen in die Welt des Straßenverkehrs ein. Es gibt da drei Regeln, die man unbedingt einhalten sollte, wenn man eine Auseinandersetzung mit dem Fahrlehrer vermeiden will:
§1: Der Fahrlehrer hat immer Recht. Bloß nicht widersprechen. §2: Der Fahrlehrer macht nur selten Fehler. Wenn dies doch der Fall sein sollte: Mache ihn nie darauf aufmerksam. §3: Falls §2 eintreten sollte, was laut Fahrlehrer natürlich sehr unwahrscheinlich ist, tritt automatisch §1 in Kraft.
Fahrlehrer sind eigentlich sehr nützlich. Sie sind unser zweiter Airbag. Die meisten von ihnen sind sehr streng, besserwisserisch und pedantisch. Wenn sie einem nicht gerade eine Standpauke halten, dass man das Lenkrad natürlich nach rechts drehen muss, wenn das Auto nach rechts zurückfahren soll (wie sollte es auch anders sein??), dann geben sie bedeutende Ratschläge wie zum Beispiel, dass man kräftig Gas geben muss, wenn es den Berg hochgeht, weil man das Auto nicht den Berg hochschieben wolle…
Mein Fahrlehrer hat doch neulich erst zu mir gesagt: „Ich will ja nichts sagen, aber du fährst heute wie eine Billiardkugel!“ Danke! Wenn das ein verstecktes Kompliment sein sollte, dann war es schlecht. Und kaum hat man einen neuen Freund im Straßenverkehr gefunden, wird dieser gleich entrissen: „Ich sehe, du hast einen neuen Freund gefunden – den Bordstein. Ich weiß, du magst ihn sehr, aber wenn du jetzt weiterhin so auf den Bordstein fährst, müssen wir mitten auf dem Berg einen Reifenwechsel machen und das willst du doch nicht, oder?“ Manchmal hätte ich das dringende Bedürfnis zu sagen: Es gibt kein Wir, Herr Fahrlehrer!
Aber ich lasse es lieber. Fahrlehrer haben ja bekanntlich immer Recht. Jaja. Dass dies nicht immer der Fall sein muss, belegt das: „Jetzt musst du aufpassen, da vorne kommt ein LKW, was du an den oberen Positionslichtern erkennst. Oh, das ist doch nur ein Bus gewesen. Naja, das ist ja dasselbe.“ Natürlich, Herr Fahrlehrer.





